DK0206 Handpaar Albert Schweitzer

die klavierspielenden Hände Albert Schweitzers

 

 

Handpaar Albert Schweitzers

Bronze, massiv gegossen
die Legierung (Farbe) leicht voneinander abweichend
Länge ca. 22 cm

eingravierte Beschriftung an beiden Armstümpfen
„Main d’Albert Schweitzer 1928“

altes Etikett mit handschriftlicher Notiz:
„1928 Hände Albert Schweitzer von
Dr. Forrer, Strasbourg“

Provenienz:

– Albert Schweitzer, Lambaréné, Gabon
– Emmy Martin, Alsace
– Hans Martin (geb. 1910), Sohn von Emmy Martin
– Suzanne Leiberich (geb. Martin), Tochter von Hans Martin
– bis zuletzt in Familienbesitz
– Sammlung Kirbach-Kreß

 

Die „klavierspielenden Hände“ von Albert Schweitzer

Albert Schweitzer (1875-1965) spielte während seiner Freizeit als Tropenarzt leidenschaftlich gerne Klavier. Hatte Schweitzer nach seinem Abitur doch zuerst, neben einem Studium der Theologie und Philosophie in Straßburg, auch Orgel bei Charles-Marie Widor in Paris und Klavier bei der legendären Marie Jaell studiert. Von 1905 bis 1913 studierte Schweitzer Medizin in Straßburg. Und er hatte ein großes Ziel vor Augen: Er wollte in Französisch-Äquatorialafrika als Missionsarzt arbeiten, was er auch sofort nach Beendigung seines Studiums umsetzte. Bereits 1913 gründete er das Urwaldhospital Lambaréné am Ogooué-Fluß in Gabun, welches er bis kurz vor seinem Tode leitete.
Doch blieb Albert Schweitzer Zeit seines Lebens der Musik treu. So galt er auch als bekannter Organist, Musikwissenschaftler, Theoretiker des Orgelbaus und als einer der stilbildenden Interpreten der Bach’schen Musik für das 20. Jahrhundert.

Unser, direkt von Albert Schweitzers Händen abgeformtes Bronzepaar, befand sich, neben einem weiteren Handpaar Schweitzers, im Nachlass von Emmy Martin, der langjährigen Sekretärin und Vertrauten Albert Schweitzers. Emmy Martin wickelte als seine „europäische Stadthalterin“ die Geschäfte von Günsbach aus ab, führte die Korrespondenz, half bei der Organisation Schweitzers zahlreichen Konzert- und Vortragsreisen, überwachte den Druck seiner Schriften mit und sorgte während Schweitzers Aufenthalten in Lambaréné für die Beschaffung des medizinischen Geräts und der Medikamente ebenso, wie für die Anwerbung des Personals.

Beide Handpaare wurden von Emmy Martin mit einem Etikett versehen. Das zweite, ebenfalls von Schweitzers Händen abgeformte (unsignierte) Handpaar aus dem Nachlass wurde laut dem Etikett „Louis Mayer Carmel U.S.A. im Hause Gunsbach mit AS gearbeitet“ zugeschrieben. Louis Mayer (1869-1969) war als Bildhauer bekannt und mit Albert Schweitzer eng befreundet.
Dieses Handpaar wurde, im Gegensatz zu unserem, hohl gegossen. Es zeigt Schweitzers Hände eher statisch, weniger ausdrucksstark. Es sind bei diesem Paar deutlich Gußnähte zu sehen, was zeigt, dass Mayer eine Gussform angelegt hatte.
Unser Handpaar ist hingegen wurde massiv gegossen und lässt keinerlei Gussnähte erkennen. Es zeigt Schweitzers Hände in klavierspielender Pose. Auffallend bei unserem Paar ist die unterschiedliche Färbung der Bronzen, die auf eine abweichende Legierung des Materials schliessen lässt. Da Schweitzer in Gabun lebte, liegt hier der Schluss nahe, dass das Handpaar in Afrika in verlorener Form gegossen wurde. Hier gab es zu keiner Zeit Richtlinien oder Vorschriften für die Zusammensetzung von Bronze, wie in Europa, daher bei afrikanischen Bronzen auch von Gelbguss gesprochen wird. Für den Fuß vor Ort in Gabun spräche auch der in Europa unübliche Vollguss.

Emmy Martin hatte unser Handpaar mit dem Etikett „1928 Hände Albert Schweitzer von Dr. Forrer, Strasbourg“ versehen. Auf beiden Armstümpfen findet sich die eingravierte Beschriftung „Main d’Albert Schweitzer 1928“.
Mit größter Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem genannten um Dr. phil. Robert Forrer (1866-1947). Robert Forrer war ein bekannter Schweizer Sammler, Kunsthändler, Kunsthistoriker, Archäologe und Museumsdirektor aus Straßburg. Er und Albert Schweitzer kannten sich gut. Forrer sammelte alles was ihm in die Finger kam. Möglicherweise hatte er Schweitzer gebeten, ihm in Afrika einen Abguss seiner (berühmten) Hände zu machen. Etwas nicht unübliches zu dieser Zeit.
Es könnte sich aber auch um Forrers Sohn, den Physiker Robert Forrer (1891-1964) handeln, der leidenschaftlich bildhauerisch tätig war, Albert Schweitzer durch seinen Vater kannte und auch eine Büste von ihm gefertigt hatte. Vielleicht hatte dieser im Auftrag seines Vaters die Hände Schweitzers abgeformt. Dieses Geheimnis wird die faszinierenden Hände Albert Schweitzers vermutlich für immer begleiten.